Überblick
Natura Siberica ist ein russisches Unternehmen für Biokosmetik mit Sitz in Moskau, gegründet von Andrey Trubnikov [6]. Es stellt natürliche Gesichts-, Haar- und Körperpflege aus wild gesammelten Kräutern und Pflanzen Sibiriens und des russischen Fernen Ostens her und beschreibt sich selbst als erstes Unternehmen, das Biokosmetik aus diesen nördlichen Pflanzen entwickelt hat. Zum Gründungsjahr weichen die Quellen leicht voneinander ab: Wikipedia, ein Interview mit dem Gründer und die Wirtschaftspresse nennen 2008 [6], während eine vom Unternehmen bereitgestellte Vertriebsseite 2007 angibt [7].
Seit Mai 2023 gehört das Unternehmen zum russischen Mischkonzern AFK Sistema, der es nach einem turbulenten Erbstreit im Anschluss an den Tod des Gründers im Jahr 2021 übernahm [11]. Die Marke selbst ist weiterhin aktiv und exportiert nach wie vor international.
⚑ Dünnere Quellenlage. Der Artikel stützt sich größtenteils auf Angaben der Marke selbst (T2–T3). Glowpedia sucht unabhängige Quellen.
Ursprung & Gründer
Natura Siberica geht auf Andrey Trubnikov zurück, einen Unternehmer, der beim Aufbau des Geschäfts auf seine sibirische Herkunft zurückgriff. Nach eigener Darstellung gründete er die Firma, nachdem eine Bewerbung bei Procter & Gamble in der Folge der russischen Finanzkrise von 1998 abgelehnt worden war; ihm wurde mitgeteilt, er habe bei den Tests des Konzerns schlecht abgeschnitten, woraufhin er sich stattdessen selbstständig machte [8].
Der Grundgedanke der Marke lautet, dass Pflanzen, die unter den extremen Bedingungen des hohen Nordens überleben, eine ungewöhnliche Wirkkraft entwickeln. Das Unternehmen verweist auf Wintertemperaturen weit unter dem Gefrierpunkt sowie kurze, intensive Sommer und argumentiert, Kräuter, die sich an solche Belastungen angepasst hätten, enthielten höhere Konzentrationen wirksamer Substanzen. Trubnikov stellte seinen Ansatz als Gegenentwurf zum großen Konzernmodell dar und sagte in einem Interview, Kreativität lasse sich nicht vollständig in ein Managementsystem einpassen [8].
Geschichte & Meilensteine
Nach dem Start in den späten 2000er-Jahren ging Natura Siberica daran, die eigene Rohstoffversorgung zu sichern. 2013 entstand ein Biobetrieb für Wildsammlung, den das Unternehmen als ersten und größten nach dem europäischen Bio-Standard EU 834/07 zertifizierten Ökohof beschreibt; die 33 Hektar große Fläche, auf der zum Teil seltene Kräuterarten angebaut werden, wurde gemeinsam mit örtlichen Landwirten aufgebaut [3]. In dieselbe Zeit fiel der Beginn der internationalen Expansion.
2014 gründete das Unternehmen im estnischen Tallinn die Eurobio Lab OÜ als europäischen Produktionszweig, der internationale Bio-Standards erfüllen sollte [12]. Bis 2017 betrieb es rund 70 eigene Geschäfte und verkaufte in mehr als 40 Ländern; bis 2019 war das Sortiment auf etwa 200 Produkte aus den Bereichen Hautpflege, Haarpflege, Körperpflege und Make-up angewachsen.
Zwei Ereignisse brachten das Unternehmen dann aus dem Tritt. Am 21. Mai 2020 zerstörte ein Großbrand das Pilotwerk in Dmitrow, und im September 2021 verurteilte ein Schiedsgericht des Moskauer Gebiets Natura Siberica zu Schadensersatz von rund 2,9 Milliarden Rubel [6]. Schwerer wog jedoch, dass Gründer Andrey Trubnikov am 7. Januar 2021 ohne Testament starb und damit einen Streit um die Kontrolle über das Unternehmen auslöste [6].
Eigentümerstruktur
Trubnikovs Tod löste einen langwierigen Eigentumsstreit aus. Sein Mehrheitsanteil wurde unter Treuhand- und Krisenverwaltung gestellt, während seine erste Frau und Mitgründerin, Irina Trubnikova, einen Minderheitsanteil hielt. Der Konflikt erregte ungewöhnlich viel öffentliche Aufmerksamkeit. Im August 2021 veröffentlichten Beschäftigte einen offenen Brief, in dem sie von einer plumpen feindlichen Übernahme des Unternehmens sprachen, einen Streik ankündigten und erklärten, Schlüsselpersonal sei der Zugang zu Büros und Datenbanken versperrt worden [9]. Kurz darauf erlangte Trubnikova wieder die Kontrolle über das Firmenvermögen, und am 1. September 2021 stellte das Unternehmen Produktion und Verkauf mehrerer Marken ein und schloss rund 80 Ladengeschäfte, nachdem eine verbundene Lizenzgesellschaft ihre Verträge gekündigt hatte [6].
Beigelegt wurde der Streit durch eine Übernahme. Im Mai 2023 kaufte AFK Sistema 100 % der JSC Organic Rus, jener Holding, der Natura Siberica und einige weitere russische Unternehmen gehören; damit wurde die Kontrolle gebündelt und die Erbstreitigkeiten fanden ein Ende [11]. In der Berichterstattung über die Transaktion hieß es, die Gruppe vermarkte darüber hinaus Marken wie Organic Shop, Planeta Organica und „Recipes of Grandma Agafya“.
Philosophie & Positionierung
Das Unternehmen positioniert sich als „farm-to-face“-Marke, die ihre Lieferkette seit über einem Jahrzehnt selbst kontrolliert und das, was es sibirische Schönheitstraditionen nennt, in ein Sortiment natürlicher Pflege überführt. Als Auftrag nennt es den Erhalt dessen, was die Kräuter, Blumen und Menschen der Region ausmacht. Neben den Produktaussagen betont Natura Siberica die Unterstützung indigener Gemeinschaften Sibiriens: Nach Angaben des Unternehmens trägt die Art der Rohstoffbeschaffung dazu bei, die Lebensgrundlage indigener Stämme aus rund 40 ethnischen Gruppen zu sichern, und es arbeitet mit der Vereinigung der indigenen Völker des Nordens an der Bewahrung ihrer Kultur.
Zur Ethik erklärt das Unternehmen, es arbeite „von Anfang an, jetzt und für immer“ tierversuchsfrei, verkaufe nicht auf dem chinesischen Festland und richte seine Haltung am Respekt vor der Natur aus [4]. Auf der Seite zum Thema Tierversuche werden keine Zertifizierungen Dritter wie Leaping Bunny genannt.
Produkte & Innovation
Die Produkte von Natura Siberica basieren auf wilden sibirischen Pflanzen. Immer wiederkehrende Vorzeigeprodukte sind Altai-Sanddorn (bekannt als Oblepikha), Rosenwurz, sibirische Zirbelkiefer, arktische Moltebeere, Schneeflechte und sibirischer Ginseng — alle beworben mit Eigenschaften, die das Unternehmen mit dem Überleben in rauem Klima verbindet. Zu den benannten Serien zählen die Vitamin-C-Linie C-Berrica und Oblepikha Professional, die beide auf Sanddorn beruhen.
Die technische Kernaussage des Unternehmens betrifft die Verwendung sogenannter Kryoextrakte — ein Extraktionsverfahren bei sehr tiefen Temperaturen, das nach eigenen Angaben die bioaktiven Substanzen dieser widerstandsfähigen Pflanzen bewahrt. Daneben beschreibt es Verpflichtungen im Forschungsumfeld, darunter eine Partnerschaft mit dem Botanischen Garten Irkutsk aus dem Jahr 2013, in deren Rahmen es zusagte, bis 2018 70.000 seltene Pflanzen zu setzen.
Aktueller Status
Natura Siberica ist aktiv. Stand Mitte 2026 war der britische Onlineshop in Betrieb und warb mit einer Aktion; nach eigenen Angaben wird die Marke in rund 45 Ländern verkauft [1]. Die Eigentumsverhältnisse haben sich allerdings verändert: Nach der umstrittenen Nachfolge im Anschluss an Trubnikovs Tod ist das Unternehmen seit der Übernahme im Mai 2023 eine Tochtergesellschaft von AFK Sistema.
Quellen
T1 primär · T2 sekundär · T3 Notiz- [1]T2naturasiberica.co.uknaturasiberica.co.uk (brand site)
- [3]T2naturasiberica.co.uk/pages/wild-harvestingnaturasiberica.co.uk (brand site)
- [4]T2naturasiberica.co.uk/pages/cruelty-freenaturasiberica.co.uk (brand site)
- [6]T3en.wikipedia.org/wiki/Natura_SibericaWikipedia
- [7]T3b2b.natura-siberica.gr/en/Article/71711616.aspxb2b.natura-siberica.gr
- [8]T3realnoevremya.com/articles/2975-interview-with-andrey-trubnikov-natura-siberica-founderrealnoevremya.com
- [9]T3meduza.io/en/feature/2021/08/16/a-crude-raider-takeovermeduza.io
- [11]T3tass.com/economy/1612055tass.com
- [12]T3interfax.com/newsroom/top-stories/90153/interfax.com


