Überblick
J.F. Schwarzlose ist ein deutsches Parfumhaus mit Sitz in Berlin, das 1856 gegründet wurde und heute unter dem Namen J.F. Schwarzlose Berlin firmiert [2]. Der Ursprung liegt bei Joachim Friedrich Schwarzlose, einem Klavierbauer, der unweit des Gendarmenmarkts eine Drogerie- und Kolonialwarenhandlung eröffnete; seine Söhne richteten das Geschäft später auf die Parfumerie aus, und 1869 wurde die Firma Hoflieferant des preußischen Hofes [2]. Nach mehr als einem Jahrhundert Geschäftstätigkeit, zwei Weltkriegen und der Nachkriegsteilung zwischen Ost- und West-Berlin wurde das ursprüngliche Unternehmen 1976 liquidiert [8]. Ein neues Unternehmen ließ den Namen 2012 wieder aufleben; die Marke ist weiterhin aktiv, betreibt einen Webshop und wurde 2025 erneut redaktionell besprochen [10].
Das Haus tritt unter der Zeile „Tradition and Quality Since 1856“ (sinngemäß: Tradition und Qualität seit 1856) auf und versteht seine modernen Düfte als Spiegel des heutigen Berlin — nach eigener Beschreibung Düfte, die „für Duftkenner und Individualisten gestaltet“ sind und „selbstbewusst sind, ohne laut sein zu müssen“.
Ursprung und Gründer
Der Firmengeschichte zufolge richtete Joachim Friedrich Schwarzlose seine Drogerie- und Kolonialwarenhandlung 1856 in der Hoffnung ein, das Geschäft „könne seinen elf Kindern eine gute Zukunft bieten“. Der Laden lag nahe dem Gendarmenmarkt im Zentrum Berlins. In den folgenden Jahrzehnten verlagerten seine Söhne den Schwerpunkt von allgemeinen Waren auf die Parfumherstellung, und 1869 erhielt die Familie den Titel des Hoflieferanten [2]. Bis 1875 hatte sich das Sortiment von Parfums auf kosmetische Artikel erweitert.
Zum frühen Katalog gehörten Düfte wie Rosa Centifolia, das das Unternehmen bis heute im modernen Sortiment führt. Eine spätere Kreation, IA-33 (auch als 1A-33 geschrieben), verdankt ihren ungewöhnlichen Namen einem Berliner Kfz-Kennzeichen.
Geschichte und Meilensteine
Im frühen 20. Jahrhundert expandierte die Firma international bis nach Europa, Asien und Australien und wurde 1922 als J.F. Schwarzlose Söhne GmbH neu aufgestellt. Die Leitung ging an die Familie Köthner über, Nachfahren des Gründers. Die Perfume Society datiert die größte Bekanntheit der Marke auf etwa 1897 bis 1944 und verweist auf ihre frühe Nutzung neuer Parfumerietechnik, darunter Parfum-Verkaufsautomaten.
Der Zweite Weltkrieg unterbrach das Geschäft: Die Fabrik wurde in den letzten Kriegstagen zerstört, in der eigenen Chronik der Marke auf 1943 datiert, bei Wikipedia auf 1944 [2][8]. Anni Köthner nahm den Betrieb danach wieder auf und hatte die Fabrik bis 1951 mit Mitteln des Marshallplans wiederaufgebaut. Der Bau der Berliner Mauer 1961 trennte wichtige Betriebsstätten voneinander. 1975 wurde das Geschäft geschlossen, nachdem der Berliner Senat entschieden hatte, das Gelände als Wohngebiet auszuweisen; 1976 wurde die ursprüngliche Firma liquidiert.
2012 wurde der Name als J.F. Schwarzlose Berlin wiederbelebt. Das neue Unternehmen legte mehrere historische Duftnamen neu auf und ergänzte sie um neue Kompositionen; laut Wikipedia griffen drei der vier ersten Düfte Namen des ursprünglichen Hauses auf, einer war neu.
Eigentümerstruktur
Das wiederbelebte Geschäft wird als J.F.S. Parfums Berlin GmbH & Co. KG mit Sitz in Berlin geführt [5]. Öffentliche Quellen nennen über die kreativ Verantwortlichen hinaus keine Person und keine Gruppe als Eigentümer.
Die ursprüngliche Firma tätigte eine dokumentierte Übernahme: das Dufthaus Treu & Nuglisch, selbst ein früherer Hoflieferant, der in den 1820er-Jahren gegründet worden war. Das Datum dieser Übernahme wird in den Quellen unterschiedlich angegeben. Wikipedia nennt 1895 als das Jahr, in dem J.F. Schwarzlose Söhne Treu & Nuglisch erwarb [8], während die Geschichtsseite der Marke 1902 verzeichnet, als Paul Köthner den Fabrikbetrieb unter dem Namen Treu & Nuglisch zusammenführte [2]. Die beiden Daten könnten getrennte Vorgänge beschreiben — eine Übernahme 1895 und eine betriebliche Zusammenlegung 1902 — und beide finden sich in veröffentlichten Quellen.
Die Wiederbelebung 2012
Der Neustart wurde von Lutz Herrmann geleitet, einem Parfumflakon-Designer und Kunsthistoriker, der die ursprüngliche Marke J.F. Schwarzlose Söhne mehr als ein Jahrzehnt zuvor entdeckt hatte und sich vornahm, deren Identität — wie es ein redaktionelles Porträt formuliert — „mit Respekt, nicht mit Kitsch“ zu rekonstruieren. Er arbeitete mit der Parfumeurin Véronique Nyberg zusammen, zuvor bei International Flavors & Fragrances, die sagte, sie habe sich davon angezogen gefühlt, die Düfte des 19. Jahrhunderts zu modernisieren.
Die genaue Zusammensetzung des Gründungsteams wird uneinheitlich wiedergegeben. Die Darstellung der Marke selbst nennt Herrmann und Nyberg und verweist auf zwei weitere, nicht namentlich genannte Mitgründer [5]; die Perfume Society identifiziert einen von ihnen als den Kommunikationsfachmann Tamas Tagscherer [9]. Da nur eine einzige Drittquelle Tagscherer nennt, bleiben die zusätzlichen Gründer nur teilweise bestätigt.
Philosophie und Positionierung
Das moderne Haus verknüpft seine Düfte mit Berlin und gibt jedem eine Erzählung statt einer allgemeinen Beschreibung — Beispiele sind „Der ganze Geist Berlins“ für 1A-33 und „Die Ekstase einer Berliner Nacht“ für Rausch. Seine gestalterische Haltung fasst das Unternehmen so zusammen: „Design is orientation. Design is differentiation.“ (sinngemäß: Design ist Orientierung. Design ist Differenzierung.)
In redaktionellen Beiträgen wird beschrieben, dass sich die Marke als „künstlerische Parfummarke“ positioniert, verwurzelt im deutschen Erbe und in der Kreativkultur Berlins, gerichtet an Duftsammler und eine Kundschaft ab 40 Jahren. Kreativdirektor Lutz Herrmann hat das häufig auf das Haus angewandte Etikett „Nische“ infrage gestellt und einer Publikation gesagt, „Nische ist für Schwarzlose nicht die richtige Kategorie“ [10].
Produkte und Innovation
Das Haus arbeitet vor allem im Bereich Parfum, daneben mit Raumdüften und einer kleinen Auswahl an Accessoires wie Seifen und Waschgels. Sein Vorzeigeprodukt ist Trance, in redaktionellen Beiträgen als „die modernste, eleganteste Rose“ beschrieben. Zu weiteren bemerkenswerten Veröffentlichungen zählen Leder 6, das als Beispiel für die „raue Kante“ der Marke präsentiert wird, sowie Altruist, das 2017 seine Kategorie beim Art and Olfaction Award gewann.
Zur Herstellung gibt das Unternehmen an, seine Produkte seien „MADE IN GERMANY“ und würden in Deutschland aus Komponenten aus Deutschland, Italien und Frankreich zusammengesetzt. Es begründet dies mit einer Vorliebe für kurze Lieferwege und langjährige, familiengeführte Zulieferer, nicht mit einer formellen Zertifizierung; die Ethikseite führt keine veganen, tierversuchsfreien oder Bio-Zertifizierungen auf.
Anerkennung
Der Duft Altruist gewann 2017 die Independent-Kategorie beim Art and Olfaction Award, und ein späterer Duft, 20|20, war 2020 Finalist desselben Preises [6]. Ebenfalls 2020 wurde J.F. Schwarzlose in den Rat für Formgebung aufgenommen und in dessen Reihe „Die großen deutschen Marken“ vorgestellt. Das Unternehmen führt Presseauftritte in Titeln wie Vogue, Elle, GQ und Men's Health auf und war 2025 Gegenstand redaktioneller Porträts der Perfume Society und des Elevated Classics Magazine.
Aktueller Status
J.F. Schwarzlose ist aktiv. Das Unternehmen betreibt einen eigenen Webshop mit weltweitem Versand und findet weiterhin Beachtung in Drittquellen, darunter ein redaktionelles Porträt vom Oktober 2025; im selben Jahr wurde der Kreativdirektor in der Presse zitiert [10]. Die Marke beschreibt sich selbst als kleines, unabhängiges Traditionshaus, das langsames Wachstum statt Massenmarkt-Größe verfolgt.
Fakten & Belege
Belegte Angaben aus der Glowpedia-Faktenbasis – jede Zeile trägt eine Quelle.
Zeitleiste#
Das Unternehmen wurde in der Nähe des Gendarmenmarkts in Berlin von dem Klavierbauer Joachim Friedrich Schwarzlose gegründet↗ schwarzloseberlin.com
Die Familie Schwarzlose erhält den Titel eines königlichen Hoflieferanten des preußischen Hofes↗ schwarzloseberlin.com
Das Produktsortiment wurde über Parfum hinaus auf kosmetische Artikel erweitert↗ schwarzloseberlin.com
Übernahme des Parfumhauses Treu & Nuglisch (gegründet in den 1820er Jahren, königlicher Hoflieferant)↗ en.wikipedia.org
Kreation des Duftes 1A-33, benannt nach einem Berliner Kfz-Kennzeichen↗ schwarzloseberlin.com
Fabrik in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört↗ schwarzloseberlin.com
Anni Köthner baut die Fabrik mit Mitteln des Marshallplans wieder auf↗ schwarzloseberlin.com
Geschäftsaufgabe aufgrund einer Entscheidung des Berliner Senats zur Wohnbebauung↗ schwarzloseberlin.com
Wiederbelebung des Unternehmens als J.F. Schwarzlose Berlin durch Lutz Herrmann und Véronique Nyberg↗ schwarzloseberlin.com
Altruist gewinnt den Art and Olfaction Award (Kategorie Independent)↗ schwarzloseberlin.com
Aufnahme in den Rat für Formgebung und Veröffentlichung in der Reihe 'The Great German Brands'; 20|20 wird Finalist beim Art and Olfaction Award↗ schwarzloseberlin.com
Auszeichnungen#
Art and Olfaction Award — Gewinner in der Kategorie Independent (Altruist)↗ schwarzloseberlin.com
Art and Olfaction Award — Finalist in der Kategorie Independent (20|20)↗ schwarzloseberlin.com
German Design Council — The Great German Brands — Aufnahme in den Rat und die Publikationsreihe↗ schwarzloseberlin.com
Signaturprodukte#
Trance entwickelt sich zum Signaturduft, beschrieben als 'die modernste, eleganteste Rose' mit 'Tiefe, aber ohne Schwere, Intimität ohne Sirup.'↗ elevated-classics.com
Altruist gewinnt in der Kategorie Independent 05/2017 (Art and Olfaction Award)↗ schwarzloseberlin.com
Der gesamte Geist Berlins. 1A-33 (florale Linde) – der Name leitet sich vom Kfz-Kennzeichen für Berlin ab.↗ en.wikipedia.org
Leder 6 verkörpert die 'raw edge'-Ästhetik der Marke. 'Sin City Berlin.'↗ elevated-classics.com
Zu den frühen Düften gehörte Rosa Centifolia... die heute noch Teil der modernen Kollektion ist.↗ en.wikipedia.org
Trance — Redaktionelle Signatur: 'die modernste, eleganteste Rose' mit 'Tiefe, aber ohne Schwere, Intimität ohne Sirup'↗ elevated-classics.com
Erwähnt in#
Vogue — Aufgeführt unter der Presseberichterstattung auf der Marken-Homepage↗ schwarzloseberlin.com
Elle — Aufgeführt unter der Presseberichterstattung auf der Marken-Homepage↗ schwarzloseberlin.com
GQ — Aufgeführt unter der Presseberichterstattung auf der Marken-Homepage↗ schwarzloseberlin.com
Men's Health — Aufgeführt unter der Presseberichterstattung auf der Marken-Homepage↗ schwarzloseberlin.com
Berliner Morgenpost — Aufgeführt unter der Presseberichterstattung auf der Marken-Homepage↗ schwarzloseberlin.com
DMAX — Aufgeführt unter der Presseberichterstattung auf der Marken-Homepage↗ schwarzloseberlin.com
The Perfume Society — Redaktionelles Profil: 'das traditionsreiche Parfumhaus, das den Krieg überlebte, indem es einen Schritt voraus war'↗ perfumesociety.org
Elevated Classics Magazine — Redaktionelles Profil: 'Die Wiedergeburt einer deutschen Parfumlegende' (30. Okt. 2025)↗ elevated-classics.com
Zertifizierungspass
Worauf jede Zertifizierung und selbst deklarierte Angabe basiert: die Quelle, auf welcher Website sie liegt, und was noch zu überprüfen ist.
„MADE IN GERMANY. Products assembled in Germany with components sourced from Germany, Italy, and France.“↗ schwarzloseberlin.com
Keine dieser Angaben wurde mit den Registern der Zertifizierungsstellen abgeglichen. Die Angaben wurden am 30. Mai 2026 erfasst.
Wo kaufen
Preise stammen von Glowjakt und werden täglich aktualisiert. Glowpedia erhält keine Vergütung für Klicks.
Quellen
T1 primär · T2 sekundär · T3 Notiz- [2]T1schwarzloseberlin.com/en/world-of-schwarzlose/history/schwarzloseberlin.com (brand site)
- [5]T2schwarzloseberlin.com/en/world-of-schwarzlose/the-creators/schwarzloseberlin.com (brand site)
- [6]T2schwarzloseberlin.com/en/world-of-schwarzlose/brand-stories/schwarzloseberlin.com (brand site)
- [8]T3en.wikipedia.org/wiki/J._F._Schwarzlose_S%C3%B6hneWikipedia
- [9]T3perfumesociety.org/schwarzlose-berlin-the-heritage-fragrance-house-that-survived-war-by-being-one-step-ahead/perfumesociety.org
- [10]T3elevated-classics.com/j-f-schwarzlose-berlin-the-revival-of-a-german-perfume-legend/elevated-classics.com
