Überblick
Laves ist ein deutscher Hersteller naturheilkundlicher Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel, betrieben von der Laves-Arzneimittel GmbH aus Ronnenberg bei Hannover. Das Unternehmen datiert seine Gründung auf das Jahr 1908, als der Apotheker und spätere Professor Ernst Laves die fabrikmäßige Herstellung eines Präparats namens Lecin aufnahm [10]. Mehr als ein Jahrhundert später ist das Unternehmen weiterhin unabhängig und im Besitz der Gründerfamilie, inzwischen in vierter Generation, was auch ein Firmenverzeichnis der Branche festhält [13].
Der Großteil des Laves-Sortiments betrifft Darm, Immunsystem und Verdauung: Bakterienpräparate, Verdauungsenzyme und Nahrungsergänzungsmittel. Die Verbindung zur Hautpflege bildet eine kleinere Linie namens Dermabiogen®, die das langjährige Interesse des Unternehmens an Bakterien auf die hauteigene mikrobielle Besiedlung überträgt. Laves-Produkte werden hauptsächlich über Apotheken vertrieben und richten sich zudem an Therapeuten.
Ursprung & Gründer
Ernst Laves leitete die Apotheke des Nordstadt-Krankenhauses in Hannover und wurde später Professor an der Technischen Hochschule Hannover. 1908 gründete er ein Unternehmen, um Lecin in industriellem Maßstab herzustellen, und verlagerte so ein Präparat aus der Krankenhausapotheke in eine Fabrik. Bis 1914 beschäftigte die Firma 20 Mitarbeitende. Ihre Mineralstoff- und Milcheiweißpräparate waren während des Ersten Weltkriegs, als Mangelerscheinungen weit verbreitet waren, stark gefragt.
Die Ausrichtung, die das Unternehmen bis heute prägt, kam mit der zweiten Generation. Ernst Laves starb am 1. Oktober 1927 bei einem Verkehrsunfall, und sein Sohn, Dr. Wolfgang Laves, übernahm die Leitung im Alter von 26 Jahren [10]. Nach Angaben der deutschsprachigen Firmengeschichte führte Wolfgang Laves Bakterienpräparate ein, darunter Colibiogen® [2]. Laut Laves konzentrierte sich die Forschung und Entwicklung fortan auf Präparate auf Basis eines Stammes des Bakteriums Escherichia coli, den Wolfgang Laves entdeckt hatte. Dieser Schwerpunkt auf Bakterien und dem Darm zieht sich bis heute durch das Sortiment.
Geschichte & Meilensteine
Die Chronik des Unternehmens ist eng mit der Geschichte Hannovers und Deutschlands verknüpft. 1918 zog die Produktion in die Hildesheimer Straße in Hannover. Während des Zweiten Weltkriegs zerstörten 1943 Bomben und Feuer die Fabriken in der Hildesheimer Straße und der Köblinger Straße, woraufhin das Unternehmen ein Ersatzwerk in Neustadt am Rübenberge errichtete. Der Rückschlag hielt das Wachstum nicht auf: Bis 1947 war die Belegschaft auf 250 Personen angewachsen, und die Fabrik in Neustadt wurde 1948 fertiggestellt.
Die Teilung Deutschlands kostete das Unternehmen eine Tochtergesellschaft. Nach Angaben von Laves zwang die politische Teilung des Landes das Unternehmen 1954 dazu, seine Tochtergesellschaft in Dresden aufzugeben. 1960 kehrte die Lecin-Fabrik nach Hannover zurück.
Ein neues Kapitel begann 1969, als der Apotheker Hans-Georg Laves das Unternehmen erwarb [10]. Nach Angaben des Unternehmens stieg der Umsatz in den folgenden vier Jahren von 535.000 DM auf 1.250.000 DM. 1979 zog der Firmensitz nach Empelde, einen Ortsteil der Stadt Ronnenberg am Rand von Hannover, wo er sich bis heute befindet.
Spätere Jahrzehnte brachten eine Expansion über Deutschland hinaus und eine Umgestaltung der Gruppe:
- 1994: Eine Immobilienverwaltungsgesellschaft, die Immobilienverwaltung Laves GbR, wurde gegründet. - 1998: Im Schweizer Kanton Luzern wurde ein Produktionsstandort eröffnet. - 2000: Das ehemalige Fabrikgelände in der Hildesheimer Straße wurde zu Studenten- und Mietwohnungen umgebaut. - 2016: Der Standort Empelde erhielt ein neues Hochregallager. - 2017: Ein Projekt namens XJ15 wurde abgeschlossen, mit dem das Produktionswerk im schweizerischen Schötz auf den aktuellen Stand der pharmazeutischen Technik gebracht wurde; die deutsche Geschichtsseite ergänzt, dass dazu Fermentationstanks mit 2.000 Litern Fassungsvermögen gehörten. - 2019: An den Standorten Ronnenberg und Schötz wurden Photovoltaikanlagen installiert.
Eigentümerstruktur
Laves war stets ein Familienunternehmen und hat keine Muttergesellschaft. Hans-Georg Laves, der das Unternehmen 1969 erworben hatte, starb 2002. Seine drei Söhne übernahmen daraufhin als vierte Familiengeneration die Geschäftsführung [2].
Die Führung ist seither kleiner geworden. Ralph Laves schied 2008 aus; laut der deutschen Geschichtsseite eröffnete er anschließend eine eigene Apotheke in München. Frank Laves schied 2016 aus, nach derselben Seite, um in der Schweiz in der Hotellerie zu arbeiten. Auf seiner Seite zum Familienunternehmen zitiert das Unternehmen Jens-Christian Laves stellvertretend für die Geschäftsführung.
Das Familienunternehmen hat auch andere Firmen übernommen. 2004 erwarb die Laves-Gruppe die SL Akupunktur GmbH [10]. 2014 übernahm sie Dürasol, ein Unternehmen aus Karlsruhe, das laut der deutschen Geschichtsseite medizinische Beutel herstellte [2]. Bionity, ein Firmenverzeichnis für die Life-Sciences-Branche, beschreibt Laves als traditionsreichen, mittelständischen Arzneimittelhersteller, der von seiner Eigentümerfamilie unabhängig geführt wird [13].
Philosophie & Positionierung
Laves präsentiert sich unter der Zeile „Naturheilkunde seit 1908“ und bezeichnet sich als spezialisiert auf Darm und Immunsystem. Nach eigenen Angaben widmet sich das Unternehmen ganzheitlichen Therapiemöglichkeiten für ein breites Spektrum an Darmerkrankungen. Es nennt drei Werte: nachhaltige Therapieerfolge, natürliche und gut verträgliche Wirkstoffe sowie das Angebot einer wirksamen Alternative zur Schulmedizin. Das Zitat der Geschäftsführung auf der Website lautet sinngemäß: „Gemeinsam helfen wir Menschen, ihre Darm- und Immunprobleme zu überwinden.“
Auf seiner Startseite bezeichnet das Unternehmen es als eine seiner Hauptaufgaben, die grundlegende Bedeutung des Darmimmunsystems bei vielen Erkrankungen zu vermitteln. Zudem nennt es das Ziel, moderne Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel aus dem Bereich der Naturheilkunde bereitzustellen, um die körpereigene Immunabwehr zu unterstützen.
Untermauert wird diese Positionierung durch eine Mitgliedschaft. Laves ist förderndes Mitglied der Hufelandgesellschaft, eines deutschen Dachverbands ärztlicher Gesellschaften für Naturheilkunde, anthroposophische Medizin, Homöopathie, Ayurveda und weitere komplementäre Ansätze [1].
Das Unternehmen spricht zwei Fachzielgruppen direkt an, mit eigenen Bereichen seiner Website für Apotheken und für Therapeuten. Außerdem betreibt es eine Mediathek mit aufgezeichneten Webinaren. Die meisten behandeln Darmgesundheit, Verdauungsenzyme, Allergien und das weibliche Immunsystem; eines befasst sich mit Hauterkrankungen und der Rolle des Mikrobioms. Die Website bezeichnet die Produkte als zertifizierte Qualitätsprodukte, nennt aber keine Zertifizierungsstelle.
Produkte & Innovation
### Darm-, Enzym- und Nahrungsergänzungssortiment
Der Großteil des Katalogs ist auf Verdauung und Immunität ausgerichtet. Dazu gehören Nahrungsergänzungsmittel wie Colibiogen® oral (mit Biotin), Colibiogen® Kinder für Kinder und Synerga® (mit Zink). Zu den Bakterienpräparaten zählen Lactobiogen® in mehreren Varianten, Sibosan® und Pylosan®. Zu den Enzympräparaten gehören Pankreatin Laves® in zwei Stärken sowie Sanagast® Laves, Sanalact® Pro Laves und Sanaglu® Laves. Colibiogen® verbindet das heutige Sortiment am direktesten mit der Firmengeschichte, da der Name auf die Bakterienpräparate der Ära Wolfgang Laves zurückgeht.
### Dermabiogen® und Hautprodukte
Die einzige kosmetikähnliche Linie des Unternehmens ist Dermabiogen®, die es als mikrobiotische Hautpflege bezeichnet. Der Gedanke dahinter: Die Haut trägt eine eigene Gemeinschaft von Mikroorganismen, das Hautmikrobiom, das zur Bildung ihrer Schutzbarriere beiträgt. Auf seinen Hautseiten vertritt Laves die Auffassung, dass ein geschwächtes Mikrobiom mit Erkrankungen wie Neurodermitis und Rosacea in Verbindung steht.
Die Linie umfasst zwei Produkte:
- Dermabiogen® Mikrobiotische Intensivcreme, eine Creme mit einem zellfreien Extrakt des Milchsäurebakteriums Lactobacillus brevis DSM17250, zusammen mit Sheabutter, Vitamin E sowie Mandel-, Jojoba- und Borretschöl. Als Anwendungsgebiete nennt das Unternehmen Neurodermitis, Psoriasis, Rosacea, Ekzeme und Akne. - Dermabiogen® Mikrobiotische Hauttinktur, eine ölfreie Rezeptur, die vor allem für die Kopfhaut, behaarte Körperstellen und fettige Haut gedacht ist. Als Wirkstoffe sind der Milchsäurebakterien-Extrakt und Allantoin angegeben.
„Zellfrei“ bedeutet, dass der Extrakt keine lebenden Bakterien enthält. Laves beschreibt den Wirkstoff als patentiert, ohne eine Patentnummer oder einen Patentinhaber zu nennen [9]. Nach Angaben des Unternehmens fördert er das Wachstum schützender Bakterien wie Staphylococcus epidermidis auf der Haut und trägt zum Aufbau eines gesunden Mikrobioms und einer starken Hautbarriere bei. Laves gibt zudem an, die Wirksamkeit und sehr gute Verträglichkeit der Dermabiogen®-Produkte seien dermatologisch belegt [9]; auf der Produktseite wird keine konkrete Studie genannt.
Mikrobiotische Hautpflege ist eine breitere Kategorie als diese eine Marke. Das deutsche Apotheken-Fachmagazin PTA heute erläuterte das Konzept 2023 in einem Artikel für Apothekenpersonal [11].
Zwei weitere Hautprodukte stehen im Sortiment neben Dermabiogen®: ScarSoft®, eine Narbencreme, und Gilt® Lösung, ein Mittel gegen Pilzinfektionen der Haut.
### Herstellung
Das Produktionswerk des Unternehmens befindet sich in Schötz im Schweizer Kanton Luzern; der Standort wurde 1998 eröffnet und 2017 modernisiert. Der Standort Ronnenberg dient als Firmensitz und beherbergt das 2016 hinzugekommene Hochregallager.
Aktueller Status
Laves ist aktiv. Die Website führt einen aktuellen Katalog mit 16 Produkten, darunter die Dermabiogen®-Linie, dazu die Webinar-Mediathek und einen Exportkontakt [4]. Der jüngste Eintrag in der veröffentlichten Firmenchronik stammt aus dem Jahr 2019.
Das Unternehmen stellt sich vor allem im Kontext des deutschen Marktes dar und richtet sich an deutsche Apotheken und Therapeuten. Es verfügt zudem über eine Exportabteilung, die Vertriebspartner zur Kontaktaufnahme einlädt, nennt seine Exportmärkte jedoch nicht öffentlich.
Fakten & Belege
Belegte Angaben aus der Glowpedia-Faktenbasis – jede Zeile trägt eine Quelle.
Zeitleiste#
Prof. Dr. Ernst Laves gründet das Unternehmen in Hannover und beginnt mit der Fabrikproduktion von Lecin↗ laves-pharma.de
Das Unternehmen hat 20 Mitarbeiter; seine Mineral-Milcheiweiß-Präparate sind während des Ersten Weltkriegs gefragt↗ laves-pharma.de
Die Produktion verlagert sich in die Hildesheimer Str. 111 A, Hannover↗ laves-pharma.de
Ernst Laves stirbt bei einem Verkehrsunfall (1. Okt. 1927); sein Sohn Dr. Wolfgang Laves übernimmt im Alter von 26 Jahren die Leitung und führt bakterielle Präparate wie Colibiogen® ein↗ laves-pharma.de
Die Fabriken in der Hildesheimer Straße und Köblinger Straße werden durch Bomben und Feuer zerstört; eine Ausweichfabrik wird in Neustadt am Rübenberge errichtet↗ laves-pharma.de
Die Belegschaft erreicht 250 Mitarbeiter↗ laves-pharma.de
Die Niederlassung in Dresden wird infolge der politischen Teilung Deutschlands aufgegeben↗ laves-pharma.de
Die Lecin-Fabrik zieht zurück nach Hannover↗ laves-pharma.de
Apotheker Hans-Georg Laves erwirbt das Unternehmen↗ laves-pharma.de
Das Unternehmen wurde von Apotheker Hans-Georg Laves erworben (blieb familiengeführt)↗ laves-pharma.de
Der Hauptsitz wird nach Empelde/Ronnenberg verlegt↗ laves-pharma.de
Ein Produktionsstandort wird im Kanton Luzern, Schweiz, eröffnet↗ laves-pharma.de
Hans-Georg Laves stirbt; seine drei Söhne übernehmen als vierte Familiengeneration die Geschäftsführung↗ laves-pharma.de
Die Laves-Gruppe erwirbt die SL Akupunktur GmbH↗ laves-pharma.de
Signaturprodukte#
enthält einen zellfreien Milchsäurebakterien-Extrakt vom Lactobacillus brevis DSM17250↗ laves-pharma.de
ölfreie Formulierung besonders zur Anwendung auf der Kopfhaut↗ laves-pharma.de
ScarSoft®: Narbencreme↗ laves-pharma.de
sein Sohn Dr. Wolfgang Laves übernahm im Alter von 26 Jahren die Leitung und führte bakterielle Präparate wie Colibiogen® ein↗ laves-pharma.de
Wirkstoffe#
Eigene Technologien & Patente#
„Die Firma konzentrierte sich besonders auf die Forschung und Entwicklung von Präparaten basierend auf einem von Dr. Wolfgang Laves gefundenen Escherichia Coli Stamm.“
„Der patentierte Wirkstoff“
Wo kaufen
Laves laut den Preisdaten von Glowscout für Deutschland, beobachtet am 6. Okt. 2026. Kein Shop kann sich eine Platzierung kaufen.
Preise stammen von Glowjakt und werden täglich aktualisiert. Glowpedia erhält keine Vergütung für Klicks.
Inhaltsstoffe im Sortiment
Wirkstoffe im Sortiment von Laves, aus den Inhaltsstofflisten von 2 der 2 Produkte in Deutschland.
Anteil der Produkte mit bekannter Inhaltsstoffliste. „Ohne identifizierte“ heißt, dass nichts unseren Inhaltsstoffgruppen entsprach, nicht, dass das Produkt frei davon ist. · glowscout.de
Quellen
T1 primär · T2 sekundär · T3 Notiz- [1]T1laves-pharma.delaves-pharma.de (brand site)
- [2]T1laves-pharma.de/unternehmen/historie/laves-pharma.de (brand site)
- [4]T2laves-pharma.de/unternehmen/laves-pharma.de (brand site)
- [9]T2laves-pharma.de/produkte/dermabiogen/laves-pharma.de (brand site)
- [10]T2laves-pharma.de/en/unternehmen/history/laves-pharma.de (brand site)
- [11]T3ptaheute.de/serien/dermokosmetik/mikrobiotische-hautpflege-was-ist-dasptaheute.de
- [13]T4bionity.com/en/companies/1040224/laves-arzneimittel-gmbh.htmlbionity.com
