Überblick
Kappus ist ein deutscher Seifenhersteller, der 1848 in Offenbach am Main gegründet wurde [5]. Über den Großteil seiner Geschichte war das Unternehmen ein familiengeführter Produzent von Stückseifen und Badeprodukten; zu seiner Blütezeit bezeichnete es sich als einen der größten Seifenhersteller Westeuropas. Nach zwei Insolvenzen und der Schließung des ursprünglichen Offenbacher Werks wechselte das Unternehmen Anfang der 2020er Jahre zweimal den Besitzer. Heute gehört es der Roell Partners GmbH, die es 2023 übernahm und die Gesellschaft in KAPPUS 1848 GmbH umbenannte [5].
Der Betrieb ist inzwischen in Heitersheim im Südwesten Deutschlands ansässig und beschäftigt rund 90 Personen. Hergestellt werden feste Seifen sowohl unter eigenem Namen als auch als Lohn- und Private-Label-Hersteller für Kunden in mehr als 30 Märkten.
Ursprung & Gründer
Die Anfänge gehen auf den Parfumeur Johann Martin Kappus zurück, der 1848 in Offenbach am Main mit der Seifenherstellung begann und sein Geschäft „M. Kappus Feinseifen- und Parfümeriefabrik“ nannte [5]. 1856 verlegte er den Betrieb in die Luisenstraße und wandelte die zuvor handwerkliche Werkstatt in eine dampfbetriebene Fabrik um [6].
Eine stadtgeschichtliche Aufzeichnung der Stadt Offenbach beschreibt den Gründer als Figur des bürgerlichen Lebens im 19. Jahrhundert: einen Handwerker und „1848er“, der den örtlichen Turnverein und die Freiwillige Feuerwehr mitbegründete, bevor er liberaler Kommunalpolitiker wurde. Als er 1905 starb, beschäftigte die Firma rund 100 Arbeiter und exportierte bereits weltweit.
Geschichte & Meilensteine
Kappus blieb über fünf Generationen in Familienhand. Die vierte Generation unter Wolfgang Kappus baute ab 1960 den Export in mehr als 80 Länder aus; die Fachpublikation Seifenwissen hält fest, dass Wolfgang das Unternehmen 58 Jahre lang bis zu seinem Tod im Jahr 2025 führte [7]. Ab 1989 teilte er die Leitung mit seiner Tochter Patricia Kappus-Becker.
Das Unternehmen wuchs stark durch Zukäufe. 1990 übernahm es das Seifenwerk in Riesa in Sachsen — beschrieben als die größte Seifenfabrik der ehemaligen DDR [5]. Die Firmenchronik der Marke datiert diesen Kauf in Riesa auf 1992 statt auf 1990 [2]. 2005 erwarb Kappus das Dreiring-Werk in Krefeld und wurde damit nach eigener Darstellung zum größten Seifenhersteller Westeuropas [5]. Weitere Übernahmen folgten: 2016 das Seifenwerk Hirtler in Heitersheim und 2021 ein Seifenbetrieb in Kehl.
Diese Expansion ließ sich nur schwer halten. Laut Seifenwissen hatte das Unternehmen „zu lange an der traditionellen Stückseife festgehalten und sich durch mehrere Wettbewerberübernahmen übernommen“ [7]. 2018 meldete es Insolvenz an, kurz nachdem es seine Offenbacher Produktion in den Stadtteil Bieber/Waldhof verlegt hatte; 2019 wurde der historische Standort in Offenbach geschlossen. 2022 folgte ein zweiter Insolvenzantrag [5].
Eigentümerstruktur
Mehr als 170 Jahre lang war Kappus ein Familienunternehmen. 2020 wurde es von der Münchner Ad Astra Beteiligungs GmbH übernommen, die es in KAPPUS GmbH umbenannte und den Firmensitz nach Heitersheim verlegte. 2023 wechselte der Eigentümer erneut, diesmal zur Roell Partners GmbH, und das Unternehmen wurde in KAPPUS 1848 GmbH umbenannt, um das Gründungsjahr in den Mittelpunkt zu stellen [5]. Die Firmengeschichte auf der Markenseite führt Roell Partners als aktuelle Muttergesellschaft und bestätigt den Eigentümerwechsel von 2023 [2].
Philosophie & Positionierung
Das heutige Unternehmen stellt feste Hygieneprodukte in den Mittelpunkt — Stückseifen und Syndets —, die es als nachhaltigere Alternative zu flüssigen Produkten in Plastikflaschen präsentiert. Nach Angaben von Kappus bestehen die Seifen aus natürlichen, biologisch abbaubaren Rohstoffen, mit dem Ziel „mehr Nachhaltigkeit ohne lange Lieferketten“. Die Kommunikation ordnet das Unternehmen vier Säulen zu: Qualität, Nachhaltigkeit, Hygiene und ein Fokus auf natürliche Inhaltsstoffe; die Rezepturen sind laut Unternehmen frei von Parabenen und Silikonen.
Neben den Seifen für Endverbraucher ist Kappus als Business-to-Business-Hersteller tätig und bietet Rezepturentwicklung, die Formulierung von Seifengrundmassen und die komplette Produktion für Kosmetikmarken, Industriekunden und Private-Label-Kunden an.
Produkte & Innovation
Das Sortiment von Kappus reicht von Toilettenseifen über Kernseifen und Syndets bis zu Spezialseifen, gegliedert in Serien wie Aroma, Care, Med, Nature und Pure. Zu den wiederkehrenden Produkten zählen die Arztseife sowie mehrere Kern- und Pflanzenölseifen auf Basis von Rohstoffen wie Olivenöl, Weizenkeimöl, Lavendel und Sandelholz. Historisch war das Aushängeschild die „Kappus-Konkurrenzseife“ [7]. 1998 ließ das Unternehmen eine spezielle Schwimmseife patentieren.
Nach eigenen Angaben werden die Produkte nach deutschen Qualitätsstandards gefertigt, und die Prozesse sind nach ISO 22716 zertifiziert, dem Standard für gute Herstellungspraxis in der Kosmetik. Viele Seifen werden zudem als sanfte, milde Rezepturen für empfindliche Haut und häufiges Händewaschen vermarktet.
Anerkennung und Presse
Im März 2024 stellte der deutsche Sender Pro7 das Unternehmen in seinem Wissensmagazin Galileo vor und verglich die Fertigung von Kappus mit der einer französischen Seifenmanufaktur [3]. 2025 kündigte die Stadt Offenbach einen stadtgeschichtlichen Vortrag mit dem Titel „Die Firma Kappus – Offenbacher Seife geht um die Welt“ im Rahmen der Reihe „Made in Hessen“ an.
Aktueller Status
Kappus ist eine übernommene Marke. Nach zwei Insolvenzen und der Schließung des ursprünglichen Offenbacher Werks läuft die Produktion unter neuer Eigentümerschaft weiter, statt eingestellt worden zu sein — das unterscheidet das Unternehmen von einem erloschenen Hersteller. Seit der Übernahme durch die Roell Partners GmbH im Jahr 2023 wird von Heitersheim aus mit rund 90 Beschäftigten produziert: feste Seifen für die eigene Marke sowie für Lohn- und Private-Label-Kunden in mehr als 30 Märkten. Die jüngste auf der eigenen Website sichtbare Aktivität stammt aus dem Jahr 2024.
Quellen
T1 primär · T2 sekundär · T3 Notiz- [2]T1kappus.com/en/about-us/kappus.com (brand site)
- [3]T2kappus.com/en/news/kappus.com (brand site)
- [5]T3de.wikipedia.org/wiki/M._KappusWikipedia
- [6]T3offenbach.de/verzeichnisse/yellowpages/common/wegweiser_80826.phpoffenbach.de
- [7]T3seifenwissen.org/seifenfakten/seifenbranche/seifenfabrikant-wolfgang-kappus-gestorben/seifenwissen.org
