Überblick
Echinacin ist ein deutsches pflanzliches Arzneimittel auf Basis des Purpur-Sonnenhuts (Echinacea purpurea). Das Pharmaunternehmen Madaus brachte es 1938 als pflanzliches Mittel zur Stärkung des Immunsystems auf den Markt [4], und der Name ist seit fast neun Jahrzehnten im Handel. Echinacin war nie ein eigenständiges Unternehmen. Es ist eine Produktmarke, die ihren Hersteller durch eine lange Kette von Verkäufen begleitet hat: an die italienische Gruppe Rottapharm, an den schwedischen Konzern MEDA, an Mylan (später Viatris) und zuletzt an das französische Selfcare-Unternehmen Cooper Consumer Health.
Die Marke ist heute aktiv. Ihre Geschichte umfasst jedoch auch ein dunkles Kapitel: Nach Angaben der deutschen Wikipedia wurde das Präparat bei Menschenversuchen an Häftlingen im Konzentrationslager Buchenwald eingesetzt. Diese Episode wird weiter unten unter Kontroversen behandelt.
Ursprung & Gründer
Die Geschichte von Echinacin beginnt bei Madaus, einem Familienunternehmen, das auf pflanzliche Arzneimittel ausgerichtet war. Der Arzt Gerhard Madaus (1890–1942) gründete das Unternehmen 1919 in Bonn zusammen mit seinen Brüdern Friedemund und Hans [5]. Ihre Mutter, die Naturheilkundlerin und Autorin Magdalene Madaus, unterstützte das Vorhaben.
Das junge Unternehmen blieb nicht lange in Bonn. Nach der französischen Besetzung des Rheinlands zog es 1921 nach Radeburg in Sachsen, und 1929 verlegte es seinen Hauptsitz erneut, nach Radebeul bei Dresden. 1938 brachte Madaus Echinacin auf den Markt, ein Mittel auf Grundlage der Wirkstoffe des Purpur-Sonnenhuts. Ein einzelner Erfinder wird für das Präparat nicht genannt; seine Einführung wird dem Unternehmen zugeschrieben. Gerhard Madaus starb 1942.
Geschichte & Meilensteine
Der Zweite Weltkrieg und die Teilung Deutschlands rissen das Unternehmen auseinander. Der Standort in Radebeul im Osten wurde enteignet und demontiert. Im Westen gründeten Friedemund und Hans Madaus das Unternehmen neu, wieder mit Sitz in Bonn. Es folgten Werke in Karlsruhe, Wuppertal, Mölln und Aichstetten, und 1947 zog die Unternehmenszentrale nach Köln, wo sich die Arzneimittelfabrik Dr. Madaus & Co. auf einem Teil eines ehemaligen Militärflugplatzes im Stadtteil Merheim niederließ.
Um die Jahrtausendwende hätte die eigenständige Geschichte des Unternehmens beinahe geendet. 1998 schrieb das Unternehmen einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe, und im Jahr 2000 stand der „Echinacin-Hersteller“, wie ihn die deutsche Apotheken-Fachpresse später nannte, kurz vor der Insolvenz [5]. Unmittelbarer Auslöser war ein Fabrikprojekt in Goa in Indien, dessen Baukosten aus dem Ruder gelaufen waren.
Die Rettung kam von außerhalb der Familie. Walter Droege wurde 1999 als externer Berater geholt und erwarb nach und nach 93 % der Anteile, während die Familie den Rest behielt. Ein von der Fachpresse zitierter Bericht des Manager Magazins beschrieb die damaligen Zustände in der Kölner Zentrale als eine Art betriebswirtschaftliches „Mittelalter“: veraltete Lagersysteme, zu hohe Bestände, ein viel zu großes Sortiment und eine schwache Finanzkontrolle. Bis 2004 war die drohende Insolvenz abgewendet, mit einem Umsatz von wieder 357 Millionen Euro und einer Rendite von 17 %.
Eigentümerstruktur
Ab 2007 wurde die Eigentümergeschichte von Echinacin zu einer Abfolge immer größerer Pharmakonzerne.
Im Juni 2007 wurde Madaus an die italienische Pharmagruppe Rottapharm verkauft [4], die rund 600 Millionen Euro für das Pharmageschäft der Madaus-Gruppe zahlte [5]. Rottapharm mit Sitz in Monza bei Mailand war 1961 von dem Pharmakologen Luigi Rovati gegründet worden. Das zusammengeführte Unternehmen nannte sich später Rottapharm Madaus.
Im Sommer 2014 berichtete die Fachpresse, dass Madaus gemeinsam mit seiner italienischen Muttergesellschaft an die Börse gehen werde. Zum Börsengang kam es nicht. Stattdessen kaufte der schwedische Pharmakonzern MEDA Rottapharm Madaus vollständig für 2,3 Milliarden Euro [4]. Die Eigenständigkeit von MEDA selbst währte nicht lange: Am 20. Juli 2016 genehmigte die Europäische Union die Übernahme durch Mylan, den Konzern, der später zu Viatris wurde.
Die jüngste Veränderung ging auf die Entscheidung von Viatris zurück, sich von seinen rezeptfreien Arzneimitteln zu trennen. Im Oktober 2023 legte Cooper Consumer Health ein Angebot für das OTC-Portfolio von Viatris vor [6]. Am 26. Juni 2024 genehmigte die Europäische Kommission in einer Prüfung der ersten Phase die Übernahme des europäischen Geschäfts von Viatris mit rezeptfreien Arzneimitteln durch Cooper, unter der Bedingung, dass zwei Produkte abgegeben werden [10]. Mit Wirkung zum 1. Januar 2025 übernahm die Cooper Consumer Health Deutschland GmbH einen großen Teil des OTC-Geschäfts von Viatris in Deutschland [7].
Cooper selbst führt seine Wurzeln auf das Jahr 1907 zurück, als Dr. Albert Salmon in Melun bei Paris La Coopération Pharmaceutique Française gründete, eine Genossenschaft von Apothekern [2]. Nach Angaben des Unternehmens bestand sein Gründungsauftrag darin, wirksame Gesundheitsversorgung für alle zugänglich zu machen. Charterhouse übernahm Cooper France 2015, und CVC Capital Partners kaufte Cooper Consumer Health 2021. Laut der deutschen Fachpresse verdoppelte das Viatris-Geschäft den Umsatz von Cooper auf rund 1,2 Milliarden Euro bei etwa 1.500 Beschäftigten und brachte Produktionsstandorte in Mérignac (Frankreich) und Confienza (Italien) sowie ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Monza mit sich [6].
Innerhalb von Cooper steht Echinacin neben früheren Viatris-Marken wie CB12 und der Intimpflegemarke Sagella sowie Kamillosan, Allergodil und Transpulmin. Einige dieser Nachbarn stammen aus dem alten Madaus-Sortiment: Salviathymol und Agiolax, die ein Jahrzehnt zuvor zusammen mit Echinacin zu den pflanzlichen Arzneimitteln von Rottapharm Madaus gezählt wurden, gingen ebenfalls an Cooper.
Produkte & Innovation
Echinacin ist ein Phytopharmakon, also ein Arzneimittel, dessen Wirkstoff aus Pflanzen stammt und nicht aus chemischer Synthese. Das unterscheidet es von den meisten Marken im Bereich Beauty und Körperpflege: Es ist ein zugelassenes Arzneimittel, kein Kosmetikprodukt, und wird als Heilmittel präsentiert, nicht als Teil einer Pflegeroutine.
Die Marke ist von Anfang an an eine einzige Pflanze gebunden: Wikipedia beschreibt das ursprüngliche Präparat von 1938 als Mittel zur Stärkung des Immunsystems auf Basis der Wirkstoffe von Echinacea purpurea.
In den Portfolios seiner Eigentümer bildete Echinacin in der Regel einen Teil einer Gruppe pflanzlicher Arzneimittel, statt allein zu stehen. Unter Rottapharm Madaus gehörte es zusammen mit Legalon, Lektinol, Salviathymol, Agiolax und Salviagalen zu einer Gruppe; gemeinsam machten diese pflanzlichen Produkte etwa ein Fünftel des Konzernumsatzes aus [5]. Das größte Geschäftsfeld der Gruppe war damals die Orthopädie, wo Produkte wie Dona, Go-On und Calcigen D fast die Hälfte des Umsatzes erzielten.
Für die Marke sind keine Zertifizierungen durch Dritte, Auszeichnungen oder Patente dokumentiert.
Kontroversen
Nach Angaben der deutschen Wikipedia wurde Echinacin unter anderem bei Menschenversuchen an Häftlingen im Konzentrationslager Buchenwald eingesetzt, wo es als Behandlung von Brandwunden durch Phosphorbomben getestet wurde [4]. Die Darstellung nennt kein Jahr für die Versuche.
Aktueller Status
Echinacin ist eine aktive Marke. Das Präparat ist weiterhin im Handel, und die Packungsbeilage für Echinacin Liquidum, zuletzt überarbeitet im Februar 2026, nennt die Cooper Consumer Health Deutschland GmbH als für das Inverkehrbringen verantwortliches Unternehmen [8]. Fast neunzig Jahre nach ihrer Einführung hat die Marke die Eigenständigkeit des Familienunternehmens überdauert, das sie geschaffen hat und dessen Unabhängigkeit mit dem Verkauf an Rottapharm im Jahr 2007 endete.
Fakten & Belege
Belegte Angaben aus der Glowpedia-Faktenbasis – jede Zeile trägt eine Quelle.
Zeitleiste#
Madaus, das Unternehmen, das später Echinacin einführte, wurde in Bonn von dem Arzt Gerhard Madaus und seinen Brüdern Friedemund und Hans Madaus gegründet.↗ apotheke-adhoc.de
Madaus führt Echinacin ein, ein pflanzliches Immunstimulans auf Basis von Echinacea purpurea.↗ de.wikipedia.org
Nach der Enteignung im Osten gründeten Friedemund und Hans Madaus das Unternehmen im Westen neu; 1947 verlegt es seinen Hauptsitz nach Köln.↗ apotheke-adhoc.de
Der Echinacin-Hersteller Madaus steht nach Fehlplanungen in Indien (Kostenüberschreitung eines Werks in Goa) vor dem Bankrott.↗ apotheke-adhoc.de
Madaus (Eigentümer von Echinacin) wurde an den italienischen Pharmakonzern Rottapharm verkauft, später umbenannt in Rottapharm Madaus.↗ de.wikipedia.org
Die Fachpresse führt Echinacin unter den Phytopharmaka von Rottapharm Madaus (neben Legalon, Lektinol, Salviathymol, Agiolax, Salviagalen), die zusammen etwa ein Fünftel des Konzernumsatzes ausmachen.↗ apotheke-adhoc.de
Der schwedische Pharmakonzern MEDA erwirbt das gesamte Unternehmen Rottapharm Madaus für 2,3 Milliarden EUR.↗ de.wikipedia.org
Die EU genehmigt die Übernahme von MEDA durch Mylan (20. Juli 2016).↗ de.wikipedia.org
Die Europäische Kommission genehmigt (26. Juni 2024, Phase I, vorbehaltlich der Veräußerung von zwei Produkten) die Übernahme des europäischen OTC-Geschäfts von Viatris durch Cooper Consumer Health (Viatris = ehemals Mylan/Meda).↗ ecp.crai.com
Zum 1. Januar 2025 übernimmt die Cooper Consumer Health Deutschland GmbH einen Großteil des OTC-Geschäfts von Viatris in Deutschland; die aktuelle Packungsbeilage von Echinacin Liquidum nennt Cooper Consumer Health Deutschland GmbH als Vertriebsunternehmen.↗ apotheke-adhoc.de
Packungsbeilage von Echinacin Liquidum zuletzt überarbeitet im Februar 2026, nennt Cooper Consumer Health Deutschland GmbH (Mannheim) als Vertriebsunternehmen und MADAUS GmbH (Troisdorf) als Hersteller.↗ patienteninfo-service.de
Signaturprodukte#
Echinacin® Liquidum Madaus↗ shop-apotheke.com
Wirkstoffe#
Erwähnt in#
APOTHEKE ADHOC (German pharmacy trade press) — Ein Artikel über den Weg von Madaus 'vom Beinahe-Bankrott zum Börsengang' bezeichnet Madaus als 'den Echinacin-Hersteller' und führt Echinacin unter den Phytopharmaka auf, die etwa ein Fünftel des Umsatzes von Rottapharm Madaus ausmachen.↗ apotheke-adhoc.de
Wo kaufen
Echinacin laut den Preisdaten von Glowscout für Deutschland, beobachtet am 6. Okt. 2026. Kein Shop kann sich eine Platzierung kaufen.
Preise stammen von Glowjakt und werden täglich aktualisiert. Glowpedia erhält keine Vergütung für Klicks.
Inhaltsstoffe im Sortiment
Wirkstoffe im Sortiment von Echinacin, aus den Inhaltsstofflisten von 1 der 1 Produkte in Deutschland.
Anteil der Produkte mit bekannter Inhaltsstoffliste. „Ohne identifizierte“ heißt, dass nichts unseren Inhaltsstoffgruppen entsprach, nicht, dass das Produkt frei davon ist. · glowscout.de
Verwandte Marken
Quellen
T1 primär · T2 sekundär · T3 Notiz- [2]T1cooperconsumerhealth.com/en/aboutuscooperconsumerhealth.com (brand site)
- [4]T3de.wikipedia.org/wiki/MadausWikipedia
- [5]T3apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/markt/otc-hersteller-vom-beinah-konkurs-zum-boersengang/print.htmlapotheke-adhoc.de
- [6]T3apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/markt/neuer-otc-player-formiert-sich/apotheke-adhoc.de
- [7]T4apotheke-adhoc.de/branchennews/alle-branchennews/branchennews-detail/cooper-erobert-den-otc-markt-erster-auftritt-apothekentour/apotheke-adhoc.de
- [8]T4patienteninfo-service.de/gi/27057/htmlpatienteninfo-service.de
- [10]T4ecp.crai.com/news/commission-clears-acquisition-of-viatris-by-cooper/ecp.crai.com


